Frühsaaten + Aussaattipps

Ein langer Winter, mit leider viel zu vielen grauen Tagen und trüben Farben, geht mal wieder dem oft ersehnten Ende entgegen. So wundert es nicht, dass wir sehnsüchtig auf die Sonne warten und uns endlich wieder an den schönen Farben des Sommers erfreuen wollen. Wer das Gefühl hat, nicht tatenlos abzuwarten und stattdessen den kleinen Frühlingselfen unter die Arme greifen zu wollen, sollte jetzt mit der Aussaat von Frühsaaten beginnen. Eigenen Anbau richtig zu betreuen, ist wirklich kein Hexenwerk. Dennoch kann man sich im Dschungel der Fachbegriffe, wie Licht- u. Dunkelkeimer, Vergeilung, Pikieren und Pinzieren, schnell verlaufen. Wir lüften das Geheimnis um die Gartensprache und machen sie leicht verständlich:

Bei der Aussaat von Samen unterscheidet man zwischen Vorkultur und Direktsaat.

Der Begriff Vorkultur beschreibt die Aussaat im zeitigen Frühjahr, von Januar bis Mitte April, in Aussaatgefäßen auf der Zimmerfensterbank oder im beheizten Gewächshaus. Die Direktsaat beschreibt dagegen die Aussaat direkt ins Beet.

Vorkultiviert werden wärmeliebende Pflanzen, die sich langsam entwickeln. Diesen kleinen Vorsprung benötigen u.a. die Nachtschattengewächse Paprika, Chili, Aubergine und Tomate, aber auch einige Sommerblumen, wie Buntnesseln, Geranien, Gazanien, Studentenblumen und Petunien.

Entscheidend dabei ist, dass die Temperatur weder tagsüber noch nachts unter 20 °C sinkt. Um ebenfalls eine konstante Luftfeuchtigkeit während des Keimprozesses gewährleisten zu können, benötigen Sie Anzuchtgefäße mit einer Klarsichthaube. Wichtig bei allen Aussaatgefäßen ist allerdings, dass die Abdeckung nie luftdicht verschlossen ist. Schaffen Sie genügend Möglichkeiten, um einen permanenten Luftaustausch stattfinden zu lassen. So verhindern Sie, dass die jungen Triebe, trotz der hohen Luftfeuchtigkeit, von Schimmelpilzen befallen und angegriffen werden.

Die Auswahl an Aussaatgefäßen ist groß. Das richtige Gefäß für die Aussaat zu finden, hängt von der Art des Saatgutes ab. Kleine und feine Samen, wie zum Beispiel Lobelien, Petunien, Mittagsblumen und Portulakröschen, lassen sich besser flach und breitwürfig in Schalen oder größeren Töpfen säen. Zur einfacheren Handhabung können die kleinen Samen mit feinem, trockenem Sand vermischt werden. So werden Sie griffiger, lassen sich gleichmäßiger ausbringen und markieren den Aussaatplatz. Größere Samen sollten einzeln und direkt in kleine Töpfe gesät werden. Am besten eignen sich Töpfe, die nach dem Umpflanzen ins Freiland im Boden zerfallen.

Das Aussaatsubstrat sollte vor dem Säen ordentlich gewässert werden, darf aber keine Staunässe bilden. Nach dem Säen sollte das Substrat mit einem Sprüher feucht gehalten werden. Wer auf der Fensterbank vorkultiviert, muss  die Heizung nicht drosseln. So haben es die Pflanzen schön kuschelig. Kalte Steinfensterbänke werden mit Holzplatten oder Styropor isoliert.

Beim Saatgut unterscheidet man außerdem zwischen Licht- und Dunkelkeimern. Um für den Keimprozess genügend Helligkeit zu gewährleisten, werden Lichtkeimer flach (0,5-1 cm) ausgesät. Dunkelkeimer schützt man durch entsprechende Pflanztiefe vor Licht.

Allgemein gilt: Kleine Samen = viel Licht – große Samen = kein Licht! Beachten Sie hierzu bitte immer die Angaben auf unseren Saatgut-Tüten!

Für ein gesundes Wachstum benötigen dann aber ALLE Jungpflanzen ausreichend Licht. Südfenster bieten im Frühjahr die höchste UV-Strahlung. Erhalten die Jungpflanzen zu wenig Licht, werden sie sehr lang, instabil und haben auf Grund von Chlorophyll-Mangel hellgrüne Blätter.

In diesem Fall spricht man von einer sogenannten „Vergeilung“. Die Pflanze aktiviert Ihren Überlebensmechanismus und versucht durch verstärktes Längenwachstum an das dringend benötigte Licht zu kommen. Tomaten kann man noch retten, indem man sie einfach etwas tiefer einpflanzt und Ihnen so die Möglichkeit bietet, Seitenwurzeln bilden zu können. Bei anderen Spezies hilft alles nichts. Die vergeilten Jungpflanzen sind leider nicht mehr zu retten.

Bei optimalen Lichtverhältnissen entwickeln sich zunächst sogenannte „Keimblätter“. Darauf folgen die ersten „echten Blattpaare“.

„Keimblätter“ ähneln häufig nicht den späteren Blättern der Pflanze. Erst die  „echten Blattpaare“ zeigen das typische, charakteristische Erscheinungsbild. Sind sie entwickelt, kann die Jungpflanze pikiert werden. Dazu wird jede Jungpflanze vorsichtig aus der Aussaatschale genommen und in ein eigenes Gefäß umgepflanzt, um reichlich Nährstoffe aufzunehmen.

Weiterhin benötigen die Pflänzchen Wärme, allerdings nicht mehr die hohen „Keimtemperaturen“. Um das zarte Grün zu schonen, empfiehlt sich beim Pikieren der Einsatz von kompostierbaren Töpfen. So vermeiden Sie Verletzungen der Jungpflanzen und zusätzliche Arbeit.

Einige Pflanzen werden pinziert. Dieses Verfahren wird angewandt bei Gewächshausgurken, Melonen, Zierpflanzen (z.B. Buntnesseln) und Kräutern (z.B. Stevia). Nach erforderlichem Wachstum (unterschiedlich je Pflanze) wird der Haupttrieb eingekürzt, indem man ihn einfach abknipst. Die Pflanze wird so gezwungen, Seitentriebe zu bilden. Dadurch wird der Ertrag von Früchten oder Blättern bei Melonen, Gurken und Stevia gesteigert. Zierpflanzen wachsen buschiger und blühen üppiger.

Bei mildem Wetter, Anfang bis Mitte Mai, stellt man die Jungpflanzen zeitweise zum Abhärten in das Freiland. Erst geschützt und in den Schatten, nach einigen Tagen dann in die volle Sonne. So gewöhnt man die Jungpflanzen schrittweise und vorsichtig an die Außentemperaturen. Ab Mitte Mai, nach den „Eisheiligen“, können die nun kräftigen Pflanzen endgültig in das Freiland, den Terrassenkübel oder Balkonkasten gepflanzt werden.