Die Wiege der Gartenpracht

Im Frühling, wenn die Tage endlich wieder länger werden und uns die Natur wieder vor die Tür lockt, sind die warmen Sonnenstrahlen Grund genug, Mutter Natur unter die Arme zu greifen und unsere Umgebung wieder lebendiger zu gestalten. Eine Hand voll Samen reicht oft schon aus, um einen neuen Blumengarten, einen Terrassengarten voller Gemüse oder ein neues Kräuterbeet anzulegen. Mit wenig Mühe bewirken die kleinen Samen schon große Wunder, die Sie quer durch das Jahr begleiten.

Das A und O für ein erfolgreiches Gartenjahr, ist eine vorausschauende Planung und die rechtzeitige Aussaat. Anders als erwartet, beginnt das „Gartenjahr“ schon in den ersten Monaten. Im Januar und Februar werden bereits Pflanzenarten ausgesät, die sich sehr langsam entwickeln und besonders  wärmebedürftig sind:

Ab Januar: u.a. Edelwicken, Schwarzäugige Susanne und Paprika.

Ab Februar: u.a. Glockenreben, Kletterndes Löwenmäulchen, Petunien, Schönranke, Sternwinde, Mexikanische Minze= Duftnessel, Mittagsgold, Salvien, Aubergine, Blumenkohl, Gurken, Kohlrabi, Sellerie, Tomaten und Melonen.

Fangen Sie jetzt schon mit all‘ den Kräutern an, die das ganze Jahr zur Anzucht auf der Fensterbank zu empfehlen sind. Dazu gehören unter anderem: Schnittlauch, Petersilie, Oregano, Basilikum, Melisse und Kerbel. Grundsätzlich kommen für die Fensterbrett-Anzucht aber nahezu alle Kräutersorten in Frage. Hierbei sollten Sie lediglich die Wuchshöhe beachten.

In dieser Saison haben wir für Sie außerdem die Ananasbeere, eine nahe Verwandte der Andenbeere, neu im Sortiment. Im Gegensatz zur Andenbeere reift sie aber wesentlich früher und das Naschen der gelben Früchte, ist je nach Aussaatzeitpunkt (Februar - April) bereits ab Juni möglich. Ihr  Geschmack erinnert, wie der Name schon sagt, stark an Ananas und ist im Wuchs eher gedrungen und kompakt. Somit ist der Anbau in Töpfen und Kübeln möglich und empfehlenswert.

Auch wenn Samen grundsätzlich erst einmal in jedem Aussaatgefäß keimen, kann die Wahl des richtigen Gefäßes die nachfolgenden Arbeitsschritte immens erleichtern. Pflanzen die nach der Aussaat pikiert, also in Töpfe vereinzelt werden müssen, sät man am besten gleich einzeln in Gefäße, die im Boden zerfallen. So müssen die Jungpflanzen nicht wieder angefasst werden und das bereits gebildete Wurzelwerk bleibt intakt. Die Aussaaten im Warmen, die sogenannte Vorkultur in den Monaten von Januar bis Mai, hat den Vorteil, dass wir durch die Steuerung von Temperatur und Wasserzufuhr optimale Keimbedingungen schaffen können. So haben zu kalte Nächte, Schadinsekten und Krankheiten wenige Chancen unsere Aussaat noch im Anfangsstadium zu vernichten und die Keimlinge können sich in Ruhe zu kräftigen Pflänzchen entwickeln. Eine frühe Aussaat, ab März, lohnt sich gerade bei den Arten deren Jungpflanzen zeitig im Frühbeetkasten oder ab April sogar schon ganz ins Freiland gesetzt werden können. Hierzu gehören unter anderem Kohlarten- und Kopfsalate.

Die Auswahl des richtigen Aussaatsubstrates ist für den gärtnerischen Erfolg ebenso wichtig, wie die Wahl der Aussaatgefäße.

Sollten Sie für die Aussaat zu gekaufter Erde greifen, achten Sie bitte auf den Hinweis „Aussaaterde“.

Diese Erde ist ungedüngt, mager, luftdurchlässig, feinkrümelig und keimfrei. Wer Aussaaterde aus eigenem, reifem Kompost herstellen möchte, sollte sie zunächst sieben, um die notwendige feinkrümelige Struktur zu erreichen. Dann sollte der feinkrümelige Kompost mit 15% Sand abgemagert werden. Es können zusätzlich sogenannte Perlite (Styroporkügelchen) und Vermiculite (Minerale) als Drainage zum besseren Wasserabzug und zur Sauerstoffanreicherung eingemischt werden.

Das Aussaatsubstrat sollte dann unbedingt schon feucht in die Gefäße gefüllt werden.

Starkes Wässern einer staubtrockenen Erde führt dazu, dass die Samen einfach wegschwemmen oder sogar faulen. Füllen Sie die Gefäße bis zum Rand mit Erde auf und schütteln das Gefäß noch etwas durch, damit eventuelle Lücken geschlossen werden und auch die Ecken gut gefüllt sind. Im Anschluss drücken Sie die Erde soweit an, dass zum Rand ein Abstand von ca. 1 cm entsteht. Zu der Aussaattiefe gibt es eine allgemeine Faustregel. Desto kleiner der Samen desto geringer die Aussaattiefe. Große Samen werden direkt in die Erde gesteckt und sind meist Dunkelkeimer. Kleine Samen dagegen sind häufig Lichtkeimer und werden flach auf die Erdoberfläche gelegt und nur vorsichtig angedrückt. Das Lichtkeimer häufig mit gesiebter Erde oder Sand abgedeckt werden, dient meist nur dazu eine kontinuierliche Feuchtigkeit für die Samen zu bewahren. Bei Freilandaussaaten verhindert es außerdem das Wegwehen durch Wind und dient zur Vogelabwehr. Zu jeder Faustregel gilt allerdings: Ausnahmen bestätigen die Regel! Sollten Sie sich also nicht ganz sicher sein, befolgen Sie einfach die individuelle Aussaatanleitung auf der Rückseite unserer Samentütchen.

Um eine konstante Luftfeuchtigkeit zu schaffen, können Sie Ihre Aussaatgefäße beispielsweise mit Klarsichtfolie abdecken. Diesen Effekt nennt man „gespannte Luft“. Wenn Wassertropfen von der Folie rinnen, ist das ein Zeichen für zu hohe Luftfeuchtigkeit. In diesem Fall sollten Sie die Folie teilweise entfernen um für mehr Luftzirkulation zu sorgen.

Die Aussaatdichte also der Abstand von Korn zu Korn ist von der Spezies abhängig. In jedem Fall sollte immer so viel Abstand zur Verfügung stehen, dass sich sowohl die Keimblätter als auch die ersten echten Blattpaare entwickeln können. Bei einer Aussaat von großen Samen, wie die von Zucchini und Kapuzinerkresse ist es von Vorteil, 2 Samen pro Topf zu säen und die jeweils schwächere Pflanze zu entfernen.

Für eine optimale Keimung sollte die Aussaat rund um die Uhr, an einem gleichmäßig warmen Ort stehen. Ein beheiztes Gewächshaus ist ideal, gleichermaßen kann aber auch das Fensterbrett genutzt werden.

Legen Sie bei kalten Steinfensterbänken Styropor oder ein Handtuch als Wärmedämmung unter die Aussaatgefäße. Im Allgemeinen sind Temperaturen zwischen 18-20°C für die meisten Arten optimal, aber einige Arten wie Stiefmütterchen und Salate bilden die viel beschriebene Ausnahme. Diese Arten  keimen bei ca. 15-18°C optimal und werden bei Temperaturen ab 20°C aufwärts in der Keimung sogar gehemmt. Viele mehrjährige Arten benötigen über einen längeren Zeitraum sogar sehr niedrige Temperaturen von unter 5°C, um die sogenannte Keimruhe (Dormanz) zu brechen. Sie benötigen also diesen „Kick“, die so genannte Stratifikation um ein Startsignal zur Keimung zu bekommen.

Zu diesen Kalt- bzw. Frostkeimern gehören Waldmeister, Bärlauch, Lenzrosen und Kuhschellen.

In der Saatschale wird es nach der Keimung häufig zu eng für die Pflanzen. Nun benötigen Sie mehr Platz um sich optimal zu entwickeln. Das Umsetzen der Jungpflanzen in einen jeweils größeren Topf oder direkt ins Freiland, nennt man Pikieren. Bleiben die Jungpflanzen in einem größeren Gefäß auf dem Fensterbrett stehen, ist es wichtig ausreichend helle Standorte zu finden, damit die Pflanze genügend Licht zur Photosynthese hat. Ist das Licht nicht ausreichend, bekommen die Jungpflanzen nur sehr hellgrüne Blätter und werden sehr lang und instabil. Man spricht hier von der sogenannten Vergeilung. Bei Tomatenpflanzen können Sie die Triebe einfach etwas tiefer einpflanzen. Sie sind in der Lage Seitenwurzeln zu bilden. Bei den meisten anderen Pflanzen haben Sie da weniger Glück. Setzten Sie die Pflanzen von der Saatschale direkt ins Freiland, sollten die jungen Pflanzen zunächst abgehärtet werden und nur langsam an die neuen Temperatur- und Lichtverhältnisse gewöhnt werden. Stellen Sie die jungen Pflanzen vorerst nur stundenweise in den Halbschatten und dann in die Sonne. Nach 2-3 Tagen können die Pflanzen dann an ihren endgültigen Standort ziehen. Werden Jungpflanzen sofort in die volle Sonne gestellt, verbrennen die Blätter. Sie sehen vertrocknet aus und bekommen helle Stellen. Die Blätter fallen ab unter Umständen stirbt die gesamte Jungpflanze.

Achten Sie bei frostempfindlichen Pflanzen bitte auf die Nachttemperaturen. Warten Sie bei solchen Pflanzen unbedingt die Eisheiligen ab, bevor Sie ins Freiland umsiedeln.

Da das Wurzelsystem der jungen Pflanzen noch nicht vollständig ausgebildet ist, sollten Sie nur vorsichtig gießen, Staunässe vermeiden und auf Dünger vollständig verzichten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und vor allem Erfolg für die neue Saison.

Dormanz:

Dormanz ist eine natürliche Keimruhe – eine Überlebensstrategie der Pflanze, damit nicht alle Samen zugleich keimen und bei ungünstigen Umweltbedingungen gesichert ist, das einige Nachkommen überleben.